Kleingarten-Verein  1936  e. V. Hattersheim am Main

 

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Vom Nutzen der Kräuter

Kaum ein klassisches Küchenkraut, das nicht auch in der Heilkunde von Bedeutung war oder ist. Dafür sind neben den enthaltenen Vitaminen und Mineralstoffen vor allem Gerb-, Scharf- und Bitterstoffe und die ätherischen Öle der Kräuter verantwortlich, die einen Großteil des Geruchs und Geschmacks ausmachen. Sie regen insbesondere die Produktion von Verdauungssäften in Mund (Speichel), Magen, Leber, Galle und der Bauchspeicheldrüse an, wirken antibakteriell und infektionshemmend vor allem bei Magen/Darm-Beschwerden und regen z. T. die Durchblutung und damit den Kreislauf an.

 

 

 

Der Kräutergarten

Kräuter sind anspruchslos: Sie brauchen nur ausreichend Wasser und v.a. mindestens fünf Stunden Sonne am Tag. Nur wenige geben sich mit Halbschatten zufrieden, wie Petersilie und Minze, oder lieben ihn sogar, wie beispielsweise Waldmeister.

 

 

 

Der Kräuterregister:

Basilikum 
In unserem Klima ist Basilikum nur bedingt im Freien zu kultivieren, denn es braucht viel Wärme und Wasser und einen geschützten Platz. Samen werden deshalb am besten im Haus vorgezogen oder frühestens ab Mai ins Freiland gesät. Basilikum paßt zu den meisten mediterranen Gerichten, vor allem zu Tomaten. Beides kann man gut nebeneinander pflanzen, auch auf dem Balkon.
Regelmäßiges Ernten fördert das Breitenwachstum der Pflanze. Brechen Sie dazu immer die jungen Spitzen heraus, möglichst vor der Blüte im Juni/Juli, denn dann schmecken die Blätter am intensivsten.

 

Bohnenkraut 
Bohnenkraut war schon in der Antike als Würzpflanze bekannt. Es paßt zu fast allen Hülsenfrüchten, aber auch zu Fisch und Fleisch und macht Schwerverdauliches bekömmlicher.
Da es einen charakteristischen, sehr intensiven Geschmack hat, der auch beim Trocknen der Blätter erhalten bleibt, muß man es sparsam dosieren. Neben dem mehrjährigen Winterbohnenkraut gibt es ein einjähriges Sommerbohnenkraut mit einem etwas milderen Geschmack. Dieses wird zum Ernten ganz zurückgeschnitten und wächst mit etwas Glück zu einer zweiten Ernte heran.
Vom mehrjährigen Winterbohnenkraut können das ganze Jahr über Blättchen geerntet und frisch verwendet werden.

Borretsch
Die jungen Blätter, die ausschließlich frisch verwendet werden, riechen und schmecken nach Gurken. Sie würzen Salate, helle Soßen und Essiggurken und sind auch zum Aromatisieren von Getränken
(z.B. Bowle) geeignet. Borretsch paßt gut zu Brotaufstrichen aus Quark, Joghurt oder Frischkäse.
Die leuchtend blauen Blüten des Borretsch sind ein schöner Anblick und eine beliebte Bienenweide. Borretsch braucht Platz, um sich auszudehnen, da er eine lange Pfahlwurzel ausbildet, ist er als Topfpflanze nicht geeignet.

Dill 
Zum Würzen verwendet man die fedrigen Blätter, die man den ganzen Sommer über ernten kann, aber auch die zerdrückten oder geriebenen Samenkapseln. Unzerrieben aromatisieren die Samenkapseln Kräuteressig (einige Blütendolden zwei Wochen im Essig ziehen lassen) und Essiggurken.
Dill paßt zu Fisch und zu Gemüsegerichten und gibt dem Tsatsiki (Knoblauchjoghurt) die typische Note. Die Blätter dürfen nicht mitgekocht werden, sonst verlieren sie ihr Aroma. Das gleiche passiert beim Trocknen, darum sollte man die Blättchen besser einfrieren.
Dillsamen dagegen kann man ohne Probleme trocknen.

Estragon 
Estragon ist ein klassisches Küchenkraut und paßt zu vielen Gerichten, zum Beispiel Eierspeisen, Spargel und Fisch. Geerntet werden die jungen Blätter und Triebspitzen. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil vieler Saucen, vor allem der Sauce Béarnaise. Estragon ist neben Dill das zweite klassische Gewürz zum Einlegen von Essiggurken. Um Estragon-Essig herzustellen, gibt man ein bis zwei Zweige Estragon in den Essig und läßt diesen etwa 2 Wochen ziehen.

Kerbel
Kerbel enthält viel Vitamin C und Eisen, Eiweiß und Calcium in nennenswerter Menge. Man pflückt das aromatische Kraut, wenn es etwa 10 cm hoch ist, dann schmeckt es am besten. Die feinen Blätter dürfen nicht mitgekocht werden, sondern kommen kurz vor dem Servieren ins Essen. Kerbel paßt gut in Buttersaucen, Kräuterquark und Frischkäse und zu Tomaten. Man sät die Samen am besten in mehreren Etappen vom Frühling bis zum Herbst gleich ins Freiland.

Kresse
Die Gartenkresse ist eine völlig anspruchslose Pflanze: Sie gedeiht sogar in flachen Tonschalen auf einem nassen Papiertaschentuch oder in etwas Sand, und schon nach wenigen Tagen sind die Sämlinge erntereif. Sie können dann mit einer Schere abgeschnitten werden. Wenn man nicht zu tief abschneidet, wachsen die kleinen Stengel nach. Kresse enthält viele Mineralstoffe, zum Beispiel Calcium und Eisen, sowie Vitamine (A, B1, B2, B6 und C). Man verwendet die kleinen frischgepflückten, gut gewaschenen Blattstiele ausschließlich roh - zum Beispiel im Salat, in hellen Soßen oder als Brotaufstrich über Joghurt, Quark oder Frischkäse gestreut.

Liebstöckel
Maggi-Kraut wird der Liebstöckel auch genannt, denn sein Geschmack erinnert stark an das bekannte Suppengewürz. Seine frischen Blätter, die mitgekocht werden müssen, würzen Suppen, Eintöpfe oder Kartoffelgerichte, passen aber auch gut zu Fisch und Schinken. Frische Liebstöckelblätter schmecken sehr intensiv und müssen sparsam dosiert werden. Liebstöckel kann gut zwei Meter groß werden, eignet sich also nicht für den Blumentopf.

Löffelkraut
Löffelkraut enthält viel Vitamin C und kann das ganze Jahr über gepflückt werden - gerade im Winter also ein idealer Energielieferant. Verzehrt werden die bitter-salzigen Blätter meist roh als Salat, in der Regel kombiniert mit anderen Blattsalaten wie Rauke und Pflücksalat. Ihr Geschmack erinnert an Kresse und Senf. Die Pflanze ist anspruchslos und winterhart, braucht allerdings gut feuchten Boden.
Gesät wird im Frühjahr oder Spätsommer.

Majoran/ Oregano
Majoran und Oregano (Wilder Majoran) sind eng miteinander verwandt. Von beiden verwendet man die Blätter und jungen Triebspitzen, und zwar wegen ihres intensiven Geschmacks sparsam und nie zusammen. Majoran paßt gut zu Kartoffelgerichten - zum Beispiel Bratkartoffeln - und zu gebratenem Fleisch. Oregano wird vor allem in Nudel- und Tomatengerichten verwendet. Majoran kann und Oregano sollte immer mitgekocht werden, damit er sein Aroma voll entfalten kann.
Majoran und Oregano lassen sich ohne großen Aromaverlust gut trocknen.

Pimpinelle
Pimpinelle oder Pimpernell ist ein wohlschmeckendes Küchengewürz aus Großmutters Zeiten.
Die kleinen frischen Blättchen schmecken ähnlich wie Borretsch nach Gurken und sind eine ausgezeichnete Würze für Salate, Suppen, Quark, Joghurt, Eierspeisen und Fisch, verleihen aber auch Erfrischungsgetränken, Bowlen oder Wein einen frischen kühlen Geschmack. Die Blätter müssen frisch verwendet werden, trocknen lassen sie sich nicht. Die Samen können ab März gleich ins Freie gestreut werden.

Rosmarin
Rosmarin würzt, sparsam dosiert, Nudelgerichte, Tomaten, Röstkartoffeln und Geflügel. Er paßt aber auch zu kräftigen Fleischsorten (z.B. Wild), zu gerösteten Nüssen, Sonnenblumen- oder Kürbiskernen. Am besten entfaltet sich sein Aroma, wenn er kurz vor Ende der Garzeit zugegeben wird und noch ein paar Minuten mitkochen kann. Am besten läßt er sich aus Stecklingen ziehen. Aus Samen gezogen, braucht er recht lange, um zu keimen und zu wachsen. Rosmarin sollte in kalten Wintern an einen kühlen Ort im Haus gestellt werden. Er ist frostempfindlich.

Salbei
Salbei paßt zu italienischen Pastagerichten, zu gebratenem Fleisch und Geflügel, zu Fisch und Soßen. Für eine hervorragende Pastasoße braucht man nur eine Handvoll grob zerpflückter frischer Salbeiblätter in einer Mischung aus Olivenöl und Butter knusprig zu braten. Ernten kann man die frischen Blätter bis tief in den Herbst, ja zum Teil das ganze Jahr über. Man sät im zeitigen Frühjahr ins Anzuchtgefäß und pflanzt die Keimlinge später im Abstand von etwa 40 cm ins Freie.

Thymian
Thymian paßt zu vielen kräftigen Gerichten: gebratenem oder gegrilltem Fleisch, würzigen Suppen und Eintöpfen oder auch Kartoffeln. Man streut entweder die abgezupften kleinen Blättchen ins Essen, oder man bindet die ganzen Zweige zum Gewürzsträußchen zusammen und hängt dieses zum Mitkochen in den Topf. Thymian sollte man nicht mit ähnlich intensiv schmeckenden Kräutern wie Majoran, Oregano und Salbei verwenden. Thymian kann direkt an Ort und Stelle in sandigen Boden gesät werden. Zur vollen Entwicklung braucht er allerdings zwei Jahre

Waldmeister
Die frischen Blätter schmecken sehr fein und duftig und eignen sich hervorragend, um Sorbets und frische Getränke (z.B. Bowle oder Tee) zu würzen. Die getrockneten Blätter duften noch intensiver als die frische Pflanze nach Heu und Vanille. Waldmeister verträgt keine volle Sommersonne, dann bekommt er braune Blätter.

 

 

 

Ernte und Lagerung:

Zur rechten Zeit ernten
Die meisten Kräuter schmecken frisch geerntet am besten. Dazu kneift man in der Regel die oberste Triebspitze, unterhalb des zweiten Blattpaares, aus der Pflanze heraus. Dieser junge Trieb und die kleinen Blätter schmecken nicht nur am zartesten, durch diese Erntemethode wird die Pflanze zudem angeregt, neue Blätter auszubilden. Und das kommt dem buschigen Wuchs zugute.

Kräuter, die als Wintervorrat getrocknet oder anderweitig konserviert werden sollen, erntet man kurz bevor die Blütenknospen aufbrechen, Dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen und damit das Aroma am stärksten. Bevor Sie ihre Ernte nun trocknen, müssen Samen, Stengel, aber auch die Wurzeln gründlich abgespült und von Staub und evtl. anhaftenden Insekten befreit werden.

Trocknen
Langstielige Kräuter trocknen am besten kopfüber an einem trockenen Ort mit guter Belüftung aufgehängt - zum Beispiel auf dem Dachboden.
Bevor sie in dunkle Gläser abgefüllt werden, streift man die Blätter von den Stengeln ab. Die Stengel werden nicht mitverwendet, weil sie oft noch einen Rest Feuchtigkeit enthalten und leicht schimmeln. Große Blätter trocknet man am besten auf Gittern oder Backrosten, die mit Küchenkrepp oder Gaze belegt sind. Sehr viel schneller geht das Trocknen in der Mikrowelle: Kleine Zweige, Triebspitzen und Blätter legt man auf Küchenkrepp in die Mikrowelle und trocknet sie auf höchster Stufe 20 Sekunden. So bleibt das Aroma besonders gut erhalten.

Einfrieren
Dabei bleibt das Aroma besser erhalten als beim Trocknen. Man friert nur die abgetrennten Blätter ein, der Stengel ist zu sperrig. Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch, die oft in der Küche gebraucht werden, sollte man im Eiswürfelbehälter portionsweise einfrieren.
Füllen Sie dazu die Felder eines Eiswürfelbehälters mit kleingehackten Kräutern halbvoll, gießen dann mit Wasser auf und stellen das Ganze zum Frieren ins Eisfach oder die Kühltruhe. Die gefrorenen Kräuterwürfel können Sie dann in einem verschließbaren Beutel im 3-Sterne-Eisfach des Kühlschranks oder der Tiefkühltruhe aufbewahren und bei Bedarf würfelweise den Speisen zugeben.

 

 

 

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